Auendynamik

Hochwasser sind Fluch und Segen zugleich. In einigen alten Kulturen ranken sich sogar Mythen um die lebensspendenden Überschwemmungen, die aus kargen Böden fruchtbare Flächen machen. In einem Land wie Deutschland, mit fruchtbaren Böden und ausreichend Niederschlägen, ist es jedoch die Zerstörungskraft, die viele Menschen mit einem Hochwasser verbinden. Richtet man seinen Blick auf die Natur, sind aber auch hierzulande Hochwasser ein wichtiges Lebenselixier. Viele Arten konnten sich nur entwickeln, da sie auf Grund der regelmäßigen Überschwemmungen im Einzugsbereich von Flüssen vor der Verdrängung durch konkurrenzstärkere Arten (wie z.B. durch die Rotbuche, welche Überflutung nicht erträgt) geschützt werden. Sie haben spezielle Überlebensstrategien entwickelt (z.B. rasche Besiedlung von Rohbodenstandorten und hohe Regenerationsfähigkeit) und somit einen Weg gefunden, den konkurrenzstarken Arten, wenn auch nicht überall dann doch auf derartigen Sonderstandorten, überlegen zu sein. Durch folgende Faktoren wird das Leben am Flussufer beeinflusst:

  • Wasserstandsamplituden
  • Überflutungshäufigkeit
  • Überflutungsdauer
  • Überflutungszeitpunkt
  • Mechanische Störung
  • Erosion und Akkumulation
  • Art des mitgeführten Materials

Überflutungsdauer, -höhe und -häufigkeit sind wichtige Aspekte für die Verbreitung von Arten, vor allem auch für die charakteristischen Baumarten des Auwaldes. Die hydrologischen Faktoren bedingen somit auch die Zonierung in Weichholz- und Hartholzauen. In höher gelegenen Bereichen der Aue bilden sich Auenwälder mit einer besonders hohen Artenvielfalt aus. Der nährstoffreiche, feuchte Boden bietet einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren eine Existenzgrundlage. Sowohl von den Pflanzen- als auch von den Tierarten wird so eine spezielle Anpassung an den periodischen Wechsel von Überschwemmung und Trockenheit, von Erosion und Sedimentation, die starke mechanische Beanspruchung und der hohe Nährstoffaustausch gefordert. Es können sich zahlreiche ökologische Nischen bilden, die den vielfältigen Artenreichtum bewirken.

Beschreibung zur Grafik/ Anpassungsmechanismen

Die intensive Nutzung der Flüsse sowie der angrenzenden Lebensräume verdrängte immer mehr Arten. Heute gehören Flussauen zu den von aussterben bedrohten Lebensräumen. Von den einstmals ausladenden Hartholzauwäldern sind uns bspw. weniger als ein Prozent erhalten geblieben (BfN, Erfassung und Bewertung des Auenzustands, 2009)

Gefährdung der Flussökosysteme:

  • Flusskorrekturen und schmalere Flussläufe führen zu einer Erhöhung der Fließgeschwindigkeit und damit zu einer verstärkten Tiefenerosion → Absenkung des Grundwasserspiegels → Austrocknung der Auen
  • Abflussregulierung führt zum Ausbleiben der jährlichen Sommerhochwasser → auf dynamische Wasserstände angewiesene Biotope verschwinden (z.B. Brenndoldenauenwiesen)
  • Fehlen mechanischer Wirkung
  • Fehlen der typischen Auenlehmbildung
  • Eindeichung und Begradigung verhindert Flusslaufverlagerungen → Verlust an Habitatvielfalt (z.B. Altwasser) sowie Verringerung der Retentionsräume
  • Querbauwerke → Verlust des Habitatverbundes
  • Einleitung von nicht ausreichend vorgereinigten Abwässern
  • diffuse Nährstoffbelastung

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